
01.12.2025 MAG Eisenbahnmagazin im MAG Lifestyle Magazin
MAG Eisenbahnmagazin - MAG Bahnreisen - Bahnhöfe in Europa
In Wien gab es an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sechs Fernbahnhöfe, monumentale Bauwerke aus der Zeit der Eisenbahnen. Leider ist im Gegensatz zu anderen europäischen Hauptstädten wie
Paris oder Amsterdam keines der architektonischen Ikonen erhalten, teils aufgrund von Kriegszerstörungen aber auch aufgrund mangelnden Interesses am Erhalt kulturhistorischer Zeugnisse der
Zeit.
Die Bahnhöfe spiegelten das kulturelle Wien zur Zeit der Jahrhundertwende wider und Zeiten, in denen Reisen mehr als schnelle Fortbewegung bedeutete.
Das Restaurant am Wiener Südbahnhof war eines der prestigeträchtigsten Beispiele für die luxuriöse Gastronomie und ein Ausdruck des Reisestils. Die Bahnhofsrestaurants waren ein wichtiger Bestandteil des luxuriösen Reiseerlebnisses, Treffpunkt der Gesellschaft und ein Zeichen für den Wohlstand der Belle Époque und spiegelten mit ihrer exklusiven Atmosphäre das einst luxuriöse Reiseerlebnis wider.
Der Franz-Josephs Bahnhof wurde als Kopfbahnhof 1872 als Kaiser-Franz-Josephs Bahnhof im historisierenden Ringstraßenstil errichtet und mit einem luxuriösen Wartesalon für den kaiserlichen Hof
ausgestattet.
Da der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbombentreffer getroffen und zu Kriegsende bei Kämpfen mit der Roten Armee schwere Beschädigungen erlitt wurde konnte der Betrieb unmittelbar nach
Kriegsende wieder aufgenommen werden. Die Renovierung der Fassade erfolgte lieblos und die Uhrtürme wurden abgerissen.
Bis zum Fahrplanjahr 1991/92 wurden die Schnellzüge von Wien nach Prag ab dem Franz-Josephs Bahnhof geführt. 1974 begannen die Abrissarbeiten am Franz-Josephs Bahnhof. 1978 wurde an gleicher Stelle das von einem Architektenteam dem Zeitgeist entsprechenden mehrstöckiges Beton-Glasgebäude errichtet bei dem nicht der Bahnbetrieb, sondern die gewinnbringende Verwertung von Liegenschaften als Büroflächen und das Universitätszentrum im Fokus lag. Die Gleisanlagen verschwanden damit endgültig unter einer Betoneindeckung.
Die Nachtverbindung D 278 führte Schlafwagen in der Relation Wien Franz-Josephsbahnhof - Berlin Ostbahnhof welche in Prag auf den D 270 Meridian übergingen. Der bekannteste Tageszug war der Vindobona, eine Schnellzugverbindung über Prag nach Berlin-Lichtenberg.
Der Nordwestbahnhof war der zweitgrößte Bahnhof der einstigen sechs Wiener Kopfbahnhöfe dessen Hauptempfangsgebäude sich an der Ecke Nordwestbahnstraße - Taborstraße befand.
Der Bahnhofsbau begann 1870 und erinnert an die imposanten Bahnhofsbauten in Paris. Die Eröffnung des in der Monarchie wichtigen Kopfbahnhofes erfolgte am 01.06.1872, die endgültige
Fertigstellung noch gerade rechtzeitig zur Weltausstellung 1873. Der Fernverkehr in den Relationen Wien - Dresden und Wien - Berlin wurde aufgenommen. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung
Österreich-Ungarns verlor die Nordwestbahn massiv an Bedeutung.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im April 1945 durch sowjetischen Artilleriebeschuss der Nordwestbahnhof schwer beschädigt und das Empfangsgebäude ab 14.09.1952 abgetragen und von dem Ensemble verblieb nur das Hauptpostamt der Brigittenau auf der Seite zur Nordwestbahnstraße.
Der Nordbahnhof war zur Zeit der k.u.k. Monarchie als Ausgangspunkt der Kaiser Ferdinands-Nordbahn bzw. der k.k. Nordbahn der wichtigste Bahnhof Wiens und mit seinen Zugsverbindungen nach Brünn,
Kattowitz, Krakau und Lemberg auch europaweit von signifikanter Bedeutung.
Das erste Bahnhofsgebäude entstand 1838 an der heutigen Nordbahnstraße und dem Nordbahnviertel, nördlich vom Praterstern und wurde 1865 durch den zweiten Nordbahnhof mit einem luxuriöseren
Bahnhofsgebäude ersetzt. Das repräsentative Empfangsgebäude bot eine geräumige Halle für Züge und Reisende sowie einen Hofwartesalon für den kaiserlichen Hof.
Hinter dem Bahnhofsgebäude lag der Frachtenbahnhof der sich nach 1875 fast bis an das Ufer der regulierten Donau erstreckte. 1859 erfolgte die Betriebsaufnahme der Verbindungsbahn vom Nordbahnhof zum Südbahnhof. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung Österreich-Ungarns verlor die Nordbahn an Bedeutung, der Bahnhof des geringeren Verkehrsaufkommens bis 1945 in Betrieb. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Bahnhof im 1945 bei der Schlacht um Wien durch Bombentreffer und Artilleriebeschuss schwer beschädigt. Der Frachtenbahnhof Wien Nord wurde nach dem Krieg weiterbetrieben wohingegen der Personenverkehr sukzessive auf den 1959 neu errichteten Bahnhof Wien Praterstern verlegt wurde. Das architektonisch und historisch als immaterielles Kulturerbe erhaltenswerte Bahnhofsgebäude wurde dem Verfall preisgegeben und im Mai 1965 gesprengt und abgerissen.
Heute erinnert nur noch das repräsentative Gebäude an der Nordbahnstraße 50, das zur Wiener Weltausstellung 1873 vis-à-vis dem Haupteingang des zweiten Wiener Nordbahnhofs als luxuriöses Hotel Donau errichtet wurde, an die Zeit der monumentalen Eisenbahnbauwerke Wiens. Noch in der Monarchie nach der Weltausstellung als Direktion der k.k. Kaiser Ferdinands-Nordbahn genutzt wurde es nach dem Krieg unter Denkmalschutz gestellt und wird bis heute von ÖBB-Dienststellen verwendet.
Der Westbahnhof wurde 1958 als Kaiserin-Elisabeth-Bahnhof gleichzeitig mit der gleichnamigen k.k. priv. Kaiserin Elisabeth-Bahn eröffnet. Zur Zeit der Eröffnung lag der Kopfbahnhof außerhalb der
Stadt. Nach Bau der Gürtelstraße ab 1873 zeigte das repräsentative Eingangsportal zur Mariahilfer Straße.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Bahnhof im April 1945 im Zuge der Kampfhandlungen von Bomben getroffen, brannte aus und das Dach der Halle stürzte ein. Danach wurde nur ein
notdürftiger Bahnbetrieb hergestellt und der Bahnhof wurde ab 1949 abgerissen.
1951 wurde der "neue zweite" Wiener Westbahnhof eröffnet und fungierte über 50 Jahre als Ausgangspunkt des Bahnfernverkehrs nach Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich und Belgien. Er verfügte über eine Autoverladestelle für Autoreisezüge nach Salzburg, Schwarzach-St. Veit, Innsbruck, Feldkirch, Düsseldorf, Hamburg-Altona und Berlin-Wannsee. Über die Verbindungsbahn bestand Anschluss an die Bahnen nach Italien, Slowenien, Ungarn, Serbien und Rumänien sowie dem Osten. Der berühmteste aller Züge, der Orient-Express wurde einst von Paris über Wien Westbahnhof und Budapest nach Istanbul geführt. Der Zug musste in Wien Westbahnhof gestürzt werden, was bedeutet, dass der Zug in beiden Verkehrsrichtungen im Kopfbahnhof Wien West einfuhr und diesen in entgegengesetzter Richtung verließ. Nach Bau des Wiener Hauptbahnhofes am Gelände des Wiener Südbahnhofes wurde der Westbahnhof nicht wie der Südbahnhof abgerissen, sondern unter Denkmalschutz gestellt. Nach zwei Jahren Renovierung wurde der neue zweite Wiener Westbahnhof wieder in Betrieb genommen. Obwohl dieses Vorhaben lobenswert ist gibt es an der architektonischen Umsetzung Kritik ob des äußerst geringen Abstandes der Neubauten zum historischen Abfertigungsgebäude. Eine Wiener Tageszeitung schrieb 2011, dass die beiden Blechkonserven die alte Halle zwischen sich wie eine Schraubzwinge einklemmen.
Der Wiener Staatsbahnhof entstand auf dem Gelände des davor bestehenden Raaber Bahnhofs, wurde später zum Staatsbahnhof, zum Ostbahnhof und zuletzt zum Südbahnhof Ostseite.
1846 wurde der Raaber Bahnhof der Wien-Raaber-Eisenbahngesellschaft eröffnet.
1870 wurde an gleichem Ort der erst Centralbahnhof, dann Staatsbahnhof genannte Kopfbahnhof im Stil des Historismus mit französischen Stilelementen eröffnet. Zur Zeit der
österreichisch-ungarischen Monarchie war dieser der wichtigste Bahnhof für Züge in Richtung Ungarn und besaß die größte Bahnhofshalle aller Bahnhöfe Wiens.
Der berühmte Orientexpress verkehrte ab 1885 auf der Fahrt Paris-Konstantinopel-Paris über den Wiener Ostbahnhof. Ab 1914 wurde der Bahnhof offiziell als Ostbahnhof bezeichnet. Wie bei allen Bahnhöfen dieser Zeit gab es einen Hofwartesaal für die kaiserliche Familie und Kaiser Franz Joseph fuhr bei seinen Fahrten nach Ungarn mit dem k.u.k Hofzug stets vom Ostbahnhof ab.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ostbahnhof mit dem benachbarten Südbahnhof in einem Bahnhofsgebäude, dem Wiener Südbahnhof mit Südseite & Ostseite, zusammengefasst.
Der Gloggnitzer Bahnhof wurde gleichzeitig mit dem Raaber Bahnhof 1846 eröffnet. Die beiden Kopfbahnhöfe wurden von Matthias Schönerer in klassizistischem Stil erbaut und lagen symmetrisch angeordnet.
Die Umbenennung auf Südbahnhof fand sukzessive zwischen der Eröffnung der Semmeringbahn 1854 und der Fertigstellung der Strecke nach Triest 1857 statt. Nach etwa 100-jährigem Bestand wurde der Wiener Südbahnhof und Ostbahnhof in den letzten Kriegsjahren 1944 bis 1945 beschädigt und beide waren nach der Instandsetzung bis Mitte der 50er Jahre in Betrieb.
Da zu jener Zeit der historische Wert der beiden Kopfbahnhöfe, aufgrund der architektonischen Gestaltung eine der wertvollsten Bauten österreichischer Eisenbahnarchitektur der Gründerzeit, nicht erkannt wurde entstand der Plan der ÖBB die getrennten Bahnhöfe Südbahnhof und Ostbahnhof in einem Bahnhofsgebäude zusammenzufassen und einen Südbahnhof als gemeinsame Anlage für die Kopfbahnhöfe der Südbahn und der Ostbahn zu errichten.
Der 3. Wiener Südbahnhof 1956 – 2009 vereinte Südbahnhof und Ostbahnhof in einem Gebäude. Die Ostseite befand sich im ersten Obergeschoss, jene der Südseite im zweiten Obergeschoss.
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