Das Leben in vollen Zügen geniessen

eine Reminiszenz an die 80er Jahre, vergangene Zeiten

lang vor Corona Krise und Reisebeschränkungen

Autoreisezug "Biokovo" von Wien Südbahnhof nach Split in Dalmatien

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16.10.2020  -  MAG Lifestyle Magazin exklusiv

Reisen mit der Eisenbahn

Es war einmal, so fangen viele Märchen an und so erscheinen manche Erinnerungen an Reisen in vergangenen Zeiten in denen man von Reisebeschränkungen von heute nichts ahnte und das Reisen auch in vollen Zügen "geniessen" konnte.

In vollen Zügen, in doppelter Bedeutung, das Reisen mit vielen Menschen auf engstem Raum und die Reise trotzdem geniessen? Reisen bedeutete nicht schnell an einen Ort zu kommen und war manchmal auch beschwerlich aber gleichzeitig ungemein spannend.
Teilweise, für heute, eine unglaubliche lange Zeit zur Anreise in auch überfüllten Zügen erlaubte dem Reisenden andere Eindrücke zu gewinnen als heute.

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Fremde Landschaften die am Fenster vorbeizogen, Menschen auf Reisen aus unterschiedlichen Motiven, die einen führte die Fahrt in den Urlaub, andere zur Arbeit oder in die Heimat und alle für Stunden oder Tage ím gleichen Zug.

Alle vereint auf engstem Raum, in Schlafwagen, Liegewagen und in Sitzwagen. Im Speisewagen konnte Reisende frisch zubereitete, landestypische Speisen und Getränke geniessen, plaudern und Gedanken austauschen. Es fand sich auch immer ein Platz für amouröse Abenteuer, im Österreichischen und Süddeutschen als „Gspusi“ bezeichnet, das oft nur über Stationen einer Reise andauerten.

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Kurswagen ermöglichten den Reisenden von vielen grösseren Bahnhöfen das Reiseziel ohne umsteigen zu erreichen und in vielen Unterwegsbahnhöfen wurde rangiert. Die Kurswagen und Sonderwagen von einem Zug auf einen anderen umgehängt, begleitet vom Klopfgeräusch der Wagenmeister welche die Radreifen und Spurkränze der Räder auf Risse oder Beschädigungen überprüften.

Grenzaufenthalte die oft unendlich lang schienen, speziell an den Grenzen des eisernen Vorhanges.

Als Schlafwagenschaffner getarnte Kuriere auf sowietischen Schlafwagen waren auf der Orient Route von Istanbul nach  Sofia genau so anzutreffen wie Urlauber, Gastarbeiter und Schmuggler.

Gerüche nach Schweiss und den mitgebrachten Speisen der Reisenden erfüllten die Abteile. Hitze oder Kälte, je nach Jahreszeit, waren alltägliche Reisebegleiter. Frost in den Zugabteilen, abhängig ob die damals auf diesen Relationen vorgeschriebene  Dampfheizung funktionierte oder nicht, im Winter wurden oft Heizwagen mit Kohleheizung zugespannt. Klimatisierte Waggons waren auf vielen Fernstrecken nicht anzutreffen, im Sommer  öffnete man das Fenster für Frischluft.

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Berühmte Züge auf der Balkan & Orient Route

Eine Reise zwischen den Metrpole in Europa dauerte für heutige Verhältnisse oft unglaubliche 50 Stunden und mehr. Verspätungen konnten die Reise oft nicht nur um einige Stunden sondern um einen halben oder gar ganzen Tag verlängern, speziell auf der berühmten Orient Express Route.

Züge von deutschen Metropolen durchfuhren halb Europa in Richtung Balkan, damals fast eine Weltreise. Vom einst legendären Wiener Südbahnhof gab es Sonderliegewagen für Urlaubsreisende nach Istanbul, Thessaloniki und Athen. Die Sonderliegewagen boten eine gewissen Komfort, die Abteilen waren mit maximal 6  Personen belegt. In den Sitzwagen drängten sich oft mehr Passagiere in überfüllten Abteilen und auf den  Gänge zusammen.  Reisende die in den Gepäcksablagen oberhalb der Sitze schliefen, manche auch in Gepäckwagen oder auf den Toiletten waren in der Hauptreisezeit keine Seltenheit.

In Kosovo Polje, einer der beiden möglichen Bahnstrecken über Nis nach Griechenland, wussten die Kinder einer Roma Siedlung, dass die Züge mit ihren Reisenden auch begehrte fremdländische Süssigkeiten und Obst mitbrachten und so war jede Einfahrt einer der internationalen Reisezüge für sie ein Erlebnis.

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Akropolis & Hellas Express

Der Hellas-Express verkehrte in der Relation Dotmund - Athen, der Akropolis-Express München - Athen

Die Fahrt nach Griechenland führte die Reisenden über Nis in Jugoslawien auf einer Neubaustrecke oder auf uralten Gleisen durch den Kosovo, weiter über Skopje und die Chemins de fer Orientaux an den Grenzbahnhof Gevgelja wo die Reisenden kurz vor Mittenacht die wohl besten Cevapcici im Bahnhofswirtshaus erwarteten. Die Fahrt führte über den Kopfbahnhof in Thessaloniki weiter zum Endbahnhof in Athen.

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Akropolis & Hellas Express © MAG Lifestyle Magazin

Die Fernreisezüge wurden meist von einer Lokomotive der Baureihe A 304 geführt welche über einen Behelfsführestand für Rückwärtsfahrt verfügte aber im Regelverkehr über die aus der Dampflokzeit stammenden Drehscheiben mit dem Hauptführerstand in Fahrtrichtung voraus gedereht wurden.

Von Thessaloniki führte die Urlauber meist eine mehrstündige und oft abenteuerliche Busfahrt an die traumhafte Küste von Chalkidiki welche damals oft einfache Pensionen mit kaum überlaufenen Stränden und ursprüngliche Tavernen bot.

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OSE 304 in Thessaloniki © MAG Lifestyle Magazin

Der Fahrzeugpark der OSE, den Griechischen Staatsbahnen bestand aus bunt zusammengewürfelten Lokomotiven verschiedenster Länder Herkunft. Kanadische, deutsche und rumänische Triebfahrzeuge boten ein farbenfrohes Bild und die Inlandsspeisewagen bestanden aus Waggons der Orient Express Zeit mit den originalen Inneneinrichtungen dieser Luxusreisezugwagen.

Athen war nicht nur Hauptziel der Reise sondern auch Ausgangspunkt um mit einer Schmalspurbahn Urlaubsorte am Peloponnes zu erreichen.

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griechische Schmalspurbahn am Peleponnes © MAG Lifestyle Magazin

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griechische Schmalspurbahn am Peleponnes © MAG Lifestyle Magazin
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griechische Schmalspurbahn am Peleponnes © MAG Lifestyle Magazin

Istanbul Express

Nach Istanbul führte die Bahnfahrt durch den eisernen Vorhang welcher an der jugoslawisch bulgarischen Grenze durch ein einfaches Kuhgatter abgesichert war. Ein Soldat der bulgarischen Volksarmee hatte das Gatter händisch vor und nach der Durchfahrt jeden Zuges zu öffnen und zu schließen.

In Kapikule überahmen türkische Lokomotiven den Zug. Es gab Sesamgebäck und Tee. Istanbul, der Bahnhof Sirkeci als Endstation des europäischen Bahnnetzes, war das Ziel. Istanbul mit allen Sehenswürdigkeiten von der blauen Moschee, über die Hagia Sophia, die Galata Brücke mit den berühmten Restaurants, der Top Kapi Palast, der Galata Turm und die Zisterne welche im James Bond Film "Liebesgrüsse aus Moskau" als Drehort Bekanntheit erlangte war das Ziel um Orient Luft zu erleben. Ausflüge  zu den 20 km von Istanbul entfernten Prinzeninseln galten als romantische Attraktion da man sich auf den  altertümlichen Linienschiffen in die Zeit der Filme von Agatha Christie zurückversetzt fühlte. Nicht zu unrecht, denn sie hatte ihren Roman "Mord im Orient Express" in Istanbul im Hotel Pera Palace geschrieben.

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Istanbul Express in Kapikule © MAG Lifestyle Magazin

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Kapikule bei Akunft des Nostalgie Orient Express © MAG Lifestyle Magazin
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Istanbul Sirkeci Bahnhof © MAG Lifestyle Magazin

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Istanbul Galata Brücke & Galata Turm © MAG Lifestyle Magazin
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Istanbul Dolmus Standplatz © MAG Lifestyle Magazin

Bäderzüge an die einst jugoslawische Adria

Eine relativ kurze Reise von nur einer Nacht erwartete die Reisenden der wöchentlich verkehrenden Bäderzüge,  Autoreisezüge an die heutige kroatische, damals noch jugoslawische Küste. Einer der beliebtesten Bäderzüge war jener von Wien nach Split, ein Autoreisezug benannt nach dem Gebirge dieser beliebten Urlaubsdestination, dem Biokovo. Autoreisezüge welche es heute aufgrund von fehlendem Waggonmaterial nicht mehr gibt, damals war auch der Transport von Wohnwagen, Kleinbussen und Anhängergespannen mit Booten möglich.

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Postkarte Dalmacijaturist Split Jugoslawien, Fotograf Z. Jakicic Archiv MAG
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Split Bahnhof 80er Jahre © MAG Lifestyle Magazin

Bäderzüge nach Italien

Ancona war Endsation der Bäderzüge von Wien Südbahnhof an die beliebten Reiseziele wie Lignano, Caorle, Jesolo und Rimini und liessen diese in nur einer Nacht erreichen.

Eine besondere Attraktion erwartete jene Touristen die speziell im Frühjahr und Herbst Sizielen,  Taormina mit Blick auf den Ätna, gewählt hatten.
Der ganze Zug wurde in Villa San Giovanni in mehrere Teile aufgeteilt und auf eine Fähre verschoben um in Messina neu zusammengestellt den Zielbahnhof in Catania zu erreichen.

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Sonderzug der ÖBB in Italien © MAG Lifestyle Magazin

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Taormina © MAG Lifestyle Magazin
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Taormina © MAG Lifestyle Magazin

Sonderzüge nach Frankreich

Pilgerreisen nach Lourdes wurden ab Wien Westbahnhof oft für hunderte Pilger mit dem Zug arrangiert, in Sitzwagen und Liegewagen der ÖBB.
Für schwerstkranke Pilger wurden die Lazarettwagen von der französischen Bahnverwaltung SNCF gestellt.

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SNCF Lazarettwagen in Wien Westbahnhof © MAG Lifestyle Magazin

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Lourdes Bahnhof © MAG Lifestyle Magazin
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Lourdes © MAG Lifestyle Magazin

Züge an die spanische Grenze

Für jene Touristen, die Sonne und Strand an der spanischen Mittelmeerküste suchten,  hiess es auf der Reise umsteigen, da die Eisenbahnen in Spanien eine andere Spurweite als jene im Rest Europas hatten. Die Grenze zwischen Frankreich und Spanien an der Mittelmeerküste war in Port Bou - Cerbere und wies für Eisenbahnreisende eine Besonderheit auf, den sogenannten Spurwechsel. In Europa gibt es die Regelspur mit 1.435 mm wohingegen Spanien seit 1855 eine Breitspur von 1.676 mm hatte.

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Port Bou, Grenze & Spurwechselbahnhof © MAG Lifestyle Magazin

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Port Bou, Grenze & Spurwechselbahnhof © MAG Lifestyle Magazin
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Cerbere - Grenzbahnhof zu Port Bou © Archiv MAG Lifestyle Magazin