31.12.2025 MAG Lifestyle Magazin - MAG Eisenbahnmagazin - MAG Eisebahmagazin - Eisenbahn-Fachbegriffe
Für die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Verschwinden der großen Luxuszüge charakteristisch. Positiv für Reisende waren bis Ende der 80er Jahre der Weiterbestand von Kurswagen und Kurswagengruppen zum Erreichen klassischer Reiseziele mit Zugwechsel ohne Umsteigen. Von Wien Südbahnhof gehörten Kurswagen und Kurswagengruppen in den Relationen Istanbul und Athen zum Eisenbahnalltag. Bäderzüge von Wien nach Jugoslawien und Italien in der Sommersaison waren ein unverzichtbarer Teil des Reiseangebotes der Bahn. Sonderliegewagen für Reisegruppen, zum Beispiel von Wien nach Istanbul, Athen, Rom, Taormina, Paris und Lourdes gehörten zum beliebten Transportmittel für Reisegruppen um Ziele im Orient und Griechenland sowie Süd- und Westeuropa zu erreichen.
Relation bedeutet ohne Richtungsangabe zwischen welchen Ausgangsbahnhöfen und Zielbahnhöfen ein Zug verkehrt. Der Ausgangsbahnhof ist jener, der für die Zusammenstellung des Stammzuges verantwortlich ist und in dem der Zug zusammengestellt wird. Unterwegs können dem Zug Kurswagen, Speisewagen oder Sonderwagen bis zum Endbahnhof oder auf Teilstrecken beigestellt werden.
Wurden Züge vom gleichen Ausgangsbahnhof in einem Unterwegsbahnhof geteilt um verschiedene Zielbahnhöfe zu erreichen sprach man von Flügelzügen. Verkehrten Kurswagengruppen fahrplanmäßig außerhalb des Stammzuges sprach man von einem Flügelzug. Ein Flügelzug konnte als Zubringer zum Stammzug oder zur Weiterführung der Wagengruppe dienen. Wenn Kurswagen oder Kurswagengruppen um ihren Zielbahnhof zu erreichen einen vom Stammzug abweichenden Laufweg hatten fand man die Angabe mit Kursnummer des im Kursbuch.
Kurswagen sind Reisezugwagen die den Reisenden ermöglichten Ziele ohne Umsteigen zu erreichen auch wenn in diesen Relationen keine direkten Züge verkehrten. Kurswagen wurden einst auch als Direktwagen bezeichnet da sie in Unterwegsbahnhöfen auf andere Züge übergingen um den Zielbahnhof zu erreichen. Werden mehrere Kurswagen mit gleichem Ziel zusammengefasst geführt spricht man von einer Kurswagengruppe. Eine Kurswagengruppe kann zum Beispiel aus Waggons zweiter und erster Klasse bestehen oder zusätzlich Liegewagen und Schlafwagen enthalten.
Kurswagen bieten unumstritten ein erhöhtes Komfortangebote für Reisende! Es entfällt das Hetzen von einem Bahnsteig zum anderen um den Anschlusszug zu erreichen und das damit
einhergehende Schleppen von Gepäck.
Weshalb gehören Kurswagen trotzdem der Vergangenheit an? Es gibt technische und pekuniäre Gründe. Kurswagen sind nur bei lokomotivbespannten Reisezügen möglich da Waggons eingereiht und
ausgereiht werden können. Triebwagen bestehen aus einem Verband von einem Triebwagen, Waggons und dem Steuerwagen. Da ein Übergang weder von der Lokomotive noch dem Steuerwagen auf Kurswagen
möglich ist können Kurswagen ohne eigenen Zugbeleiter nicht am Zugschluss angekuppelt werden und zusätzliches Personal beschert der Bahn Mehrkosten. Der Vorteil von Triebwagen gegenüber
lokbespannten Zügen liegt ebenso in finanziellen Vorteilen für die Bahngesellschaft da auch auf den Bahnhöfen Personal eingespart werden kann. Es entfallen Verschublokomotiven, Lokomotivführer,
Verschieber und Kuppler sowie die obligate Bremsprobe nach Einreihen oder Ausreihen von Waggons aus dem Zugverband.
Als
Sonderwagen konnten Reisezugwagen erster oder zweiter Klasse, Gesellschaftswagen, Liegewagen oder Schlafwagen für Reisegruppen gestellt werden und mit national oder international verkehrenden Zügen
befördert werden. Es war auch ein Übergang auf andere Züge als den vom Ausgangsbahnhof zugbildenden Bahnhof in Unterwegsbahnhöfen möglich. Sonderwagen scheinen nicht wie Kurswagen im Kursbuch auf da
sie auf Bestellung für Gruppen geführt werden.
Sonderschlafwagen wurden durch Schlafwagenschaffner der CIWL betreut, Sonderliegewagen durch Liegewagenbetreuer des Österreichische Verkehrsbüros.
In den 80er Jahren wurden Sonderwagen, zumeist Liegewagen, ab Wien mit fahrplanmäßigen
Zügen zu allen touristisch interessanten Städten, unter anderen Paris, Cerbere, Hamburg,
Berlin, Rom, Taormina, Konstanza, Sofia, Istanbul, Thessaloniki und Athen, geführt.
Es gab aber auch Sonderwagen auf saisonal verkehrenden, fahrplanmäßigen Zügen. In den 80er Jahren wurden Sonderwagen von Sitzwagen über Liegewagen und Schlafwagen ab Wien auf saisonal
verkehrenden Bäderzügen nach
Italien und Jugoslawien geführt.
Das Zuglaufschild am Kurswagen zeigt seinen direkten Weg durch Angabe beider Züge vom Ausgangsbahnhof bis zum Endbahnhof an. So führte der Slavija Express 253 in der Relation Wien Südbf. nach Beograd einen ÖBB Kurswagen nach Istanbul.
Manche Züge bestanden aus Flügelzügen. In viele Relationen wurden bis in die 80er Jahre Kurswagen mit Übergang auf andere Züge beigestellt um den Fahrgästen ein Erreichen des Zielbahnhofes ohne
Umsteigen zu ermöglichen.
Das Foto zeigt das Kurswagenverzeichnis
im Kursbuch
der der Deutschen Reichsbahn DR, mit dem D 270 Meridian in der Relation Beograd-Berlin und den Flügelzug D 278 mit
Kurswagen Wien FJB-Berlin mit Wagenübergang in Prag.
1971
wurde in Mitteleuropa der internationale Schlafwagenpool gegründet der die Schlafwagen verschiedener Bahngesellschaften sowie der CIWL und DSG zusammenfassten. Die Schlafwagen behielten die RIC
Wagennummern und erhielten zusätzlich am Waggonkasten das TEN-Logo welches für „Trans Euro Night“ beziehungsweise „Trans Euro Nacht“ stand.
Für die Schlafwagen im TEN-Verkehr durch Europa wurde ein eigenes Schlafwagenkursbuch herausgegeben. Der Reisende konnte alle Relationen des Schlafwagenverkehrs auch über Grenzen und
Zugnummernwechsel leicht auffinden und die Type sowie Grundrisse der jeweiligen Schlafwagen ersehen. Der internationale Schlafwagenpool TEN bestand bis 1995.
CIWL - Compagnie Internationale des Wagons-Lits, 1872 gegründet, verschwand der Namen 2010 vom Schienennetz
DSG - Deutsche Schlafwagengesellschaft, 1916 als Pendant zur CIWL gegründet, 1950 von der DR weitergeführt verschwand der Namen 2006 vom Schienennetz
Der D 1355/1354 war in den von den 60er bis 80er Jahren ein saisonal aber fahrplanmässiger Zug in der Relation Wien Südbahnhof -
Split für Reisende an die dalmatinische Adria.
Fahrplan & Zugbildeplan D 1355/1354
Der Zug bestand aus zwei regulären Sitzwagen, je einer 2.Klasse und einem mit 1./2. Klasse Abteilen. Die Buchung der Liegewagen, Schlafwagen, Autotransportwagen sowie Sitzwagen für Reisende
mit Auto erfolgte über das Österreichische Verkehrsbüro. Die Sitzwagen, Liegewagen und Autotransportwagen wurden von der ÖBB
gestellt, die Schlafwagen von der KSR, der Jugoslawischen Schlaf- und Speisewagen Gesellschaft. Der Speisewagen verkehrte in der Relation Maribor-Split und wurde ebenfalls von der KSR Zagreb
gestellt.
Liegewagen der ÖBB mussten laut den Eisenbahnvorschriften von Zugbegleitern begleitet werden. Sonderliegewagen der ÖBB wurden von Liegewagenbetreuern des ÖVB betreut. Ein Zugbegleiter war für maximal zwei Liegewagen zuständig.
Da Sonderliegewagen wie alle für Reisegruppen bestellten Sonderwagen nicht im Kursbuch aufscheinen, mussten der Ausgangsbahnhof, Grenzbahnhöfe, Unterwegsbahnhöfe mit Zugwechsel
sowie der
Endbahnhof über
die Führung des Sonderwagens informiert werden. Zu diesem Zweck versendete die ÖBB Generaldirektion 3/3 ein „Diensttelegramm“ an alle beteiligten Bahnhöfe und bei Liegewagen an die Bahnabteilung
im Österreichisches Verkehrsbüro,
oevb 1 wien- bahnreisen.
Der Wagen musste für den jeweils bestimmten Zug bereitgestellt und gereinigt werden. Die Fahrdienstleitung und der Zugführer mussten über den zusätzlichen Waggon in Kenntnis gesetzt werden. Bei
Liegewagen wurde ein Liegewagenbetreuer für den Sonderliegewagen eingeteilt und erhielt ebenfalls das Diensttelegramm. Unterwegsbahnhöfe in denen ein Zugwechsel erforderlich war organisierten den
Verschub des betreffenden Sonderwagens auf den nachfolgenden Zug. Der Endbahnhof war für die Reinigung sowie Rücksendung des Wagens laut Anweisung am Diensttelegramm zuständig.
Die Liegewagenbetreuer erhielten den Fahrtauftrag im Österreichisches Verkehrsbüro bei der Bahnabteilung. Zu Dienstantritt übernahmen sie nach Meldung beim Fahrdienstleiter den Sonderliegewagen. Es oblag ihnen die Aufgabe die Abteile laut Belegungslist mit Decken, Bezügen und Polstern, aufbewahrt im Dienstabteil, für die Nachtstrecke auszustatten. Nach Meldung beim Zugführer die Fahrkarten und Liegekarten der Reisenden, bei Gruppen die Gruppenfahrkarte und Liegewagenkarte, einzusammeln und zu kontrollieren um diese dem jeweiligen Schaffner zur Entwertung vorzulegen. Das ermöglichte den Reisenden eine ungestörte Nachtruhe. Bei Südstrecken nach Italien und allen Weststrecken mussten auch die Reisepässe der Reisenden im Dienstabteil verwahrt werden um sie den Grenzorganen zur Kontrolle vorzulegen. Diese Arbeit entfiel auf den Strecken nach Jugoslawien und in alle Oststaaten da die Kontrollen der Grenzpolizei unabhängig der Uhrzeit im Abteil stattfanden. Während der Nachtfahrt bestand die Aufgabe der Sicherheitsaufsicht welche neben offensichtlichen technischen Problemen auch den Verweis von Fahrgästen ohne gültige Liegekarte auf andere Waggons betraf.
Im Zielbahnhof mussten die Decken und Polster im Dienstabteil verstaut werden. Diese Arbeit erfolgte oft nachdem die Zuggarnitur auf den Abstellbahnhof verschoben wurde weshalb die Sicherheitseinweisung aller Liegewagenbetreuer zum Verhalten auf öffentlich nicht zugänglichen Bahngelände mit der diesbezüglichen Dienstvorschrift "Zum Schutz gegen die Gefahren des Bahnbetriebes" der ÖBB bei Einschulung erfolgte.
Den Artikel zu dieser Fahrt von Wien Franz Josephs Bahnhof nach Berlin Ostbahnhof am 19./20.September 1985 sehen Sie im MAG Eisenbahnmagazin
Mit dem Zug in den 80er Jahren von
Wien Franz Josef Bahnhof nach Berlin Ost
JŽ 734-001 noch in DB Lackierung aber bereits im JŽ Nummernschema beschriftet in Zagreb beim Verschub von zwei ÖBB Sonderliegewagen, Ordnungsnummer 951, Bcm 51 81 51 50 005-6 und 952 Bcm 51 81 51 50 008-0 mit einer Reisegruppe von Linz nach Thessaloniki beim Übergang von Zug 499 auf 291 Akropolis am 11.07.1987
Am 22.09.1985 führte der Slavija Express 253 ab Wien Südbahnhof einen ÖBB Sonderliegewagen für eine Reisegruppe nach Istanbul. Planmässig sollte dieser zum ÖBB Kurswagen gereihte Sonderliegewagen auf den Istanbul Express übergehen. Das Foto zeigt die JŽ 461-139 am 23.09.1985 in Beograd vor dem Venezia Express 263 nach Athen. Bei dem zweiten Wagen hinter der Lok handelt es sich um diesen Sonderliegewagen der ÖBB Bcm 51 81 51 50 008-0 von Wien Süd nach Istanbul mit der Ordnungsnummer 951. Wien Südbahnhof – Beograd mit Slavija Express 253, Weiterführung ab Beograd statt mit Istanbul Ex. 293 mit den Kurswagen des Venezia Express.
Sonderzüge
sind außerplanmäßig und im Kursbuch nicht angeführte Züge und wurden aus Reisezugwagen erster oder zweiter Klasse, Liegewagen, Schlafwagen, Speisewagen, Gesellschaftswagen und bei Bedarf auch
Lazarettwagen für Reisegruppen zusammengestellt. Sonderzüge können national oder international geführt werden. Das Foto zeigt Zuglaufschilder von Sonderzügen des Österreichischen
Verkehrsbüros ÖVB der 70er
Jahre.
In den 80er Jahren waren die Pilgerzüge nach Lourdes erwähnenswert.
Die Pilgerzüge von Wien nach Lourdes wurden mit Liegewagen der ÖBB, betreut duch ÖVB Liegewagenbetreuer, geführt. Unter anderem gab es Militärpilgerzüge zur Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes. Die Pilgerzüge des Malteser Ritterordens führten neben den ÖBB Liegewagen öfters auch einen Lazarettwagen im Sonderzug. Da die ÖBB über keine Lazarettwagen verfügte wurde dieser von der SNCF gestellt. Bei solchen Pilgerzügen wurden ausser ÖVB Liegewagenbetreuern auch ein ÖVB Zugleiter, verantwortlich für den ganzen Zug, eingesetzt.
WL
Schlafwagen
diverse Bahnverwaltungen
WR
Speisewagen
diverse Bahnverwaltungen
DDm
Autotransportwagen Doppelstock
diverse Bahnverwaltungen
ÖVB
1923 - in die 80er Jahre - Sonderliegewagen, Sonderzüge & Messezüge
UIC
Internationale Eisenbahnverband
Union Internationale des Chemins de fer
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